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Cortison

Das wichtigste entzündungshemmende Medikament ist das Cortison. Sie haben sicherlich schon eini-ges Gute, aber auch viel Besorgniserregendes darüber gehört. Sie sollen nun bei uns lernen, dieses oft lebenswichtige Medikament besser einzuschätzen. Eines vorweg:

Cortison ist weder ein "Teufelszeug", noch eine "Wunderdroge"! Es ist auch kein Gift, auch wenn es durchaus Probleme bereiten kann. Es sollte weder verherrlicht noch verharmlost werden. Viele Menschen sind nur noch am Leben, weil es im richtigen Moment Cortison gab! Für viele Menschen mit Atemwegserkrankungen ist das Leben erst durch Cortison wieder lebenswert geworden! Das ist die eine Seite. Viele Menschen leiden aber auch unter den Problemen, die durch die Cortison-Therapie entstehen können. Häufig ist dies eine Folge einer falsch eingesetzten oder unrichtig durchgeführten Behandlung. Deswegen muß Ihr Arzt Fachmann auf diesem Gebiet sein; Sie selbst sollten aber auch über die wichtigsten Informationen zum Cortison verfügen!

Was ist eigentlich Cortison?

Cortison ist ein im menschlichen Körper produzierter Stoff, ein sog. Hormon (deswegen kann es auch kein Gift sein!). Dieses Hormon wird von der Hormondrüse (Nebennierenrinde) in das Blut abgesondert, um damit bestimmte Wirkungen im Körper zu erzielen. Cortison ist ein besonders wichtiges und vielseitiges Hormon unseres Körpers. Deswegen hat es auch nicht nur die eine - von uns gewünschte - Eigenschaft, sondern auch viele andere im ganzen Körper (auf Knochen, Muskeln, andere Drüsen, Blutzucker, Blutsalze, Haut ...).

Wenn wir Cortison als Medikament einsetzen, wünschen wir uns eine Wirkung: die Entzündungshemmung. Die anderen Wirkungen hätten wir lieber nicht, sie sind aber von Natur aus an den Stoff Cortison gebunden. Wir empfinden sie als Nebenwirkungen, obwohl es eigentlich natürliche Wirkungen sind' Diese "Nebenwirkungen" können besonders die oben erwähnten Organe und Körpersubstanzen betreffen!

Ein weiteres Problem entsteht bei der Einnahme von Cortison durch die Unterdrückung der körpereigenen Produktion des Hormons - es ist ja dann "genug" Cortison im Blut! Ihr Körper produziert ca. 10-15 mg täglich - und zwar interessanterweise nur in den frühen Morgenstunden. Außerdem gibt es ein "Notfall-Reservoir" mit einigen hundert Milligramm, aus dem in bestimmten Situationen größere Mengen sofort ins Blut abgegeben werden kann. Sie sehen also, Ihr Körper kann durchaus auch mit größeren Cortisonmengen umgehen! Wegen der Gefahr einer Unterdrückung der körpereigenen Cortison-Produktion darf man nie mit einer Cortisonbehandlung plötzlich aufhören (das gilt nicht für Cortisonspray'), denn der Körper muß dann unter Umständen erst wieder "lernen", selbst Cortison herzustellen (sog. Nebennierenrindeninsuffizienz!

Aus diesem Grund ist es ein wichtiger Unterschied, ob Cortison

kurzfristig (Tage)

mittelfristig (Wochen) oder

langfristig (Monate - Jahre) eingenommen wird.

Kurzfristig ist es gut verträglich, es gibt keine großen Probleme. Cortison bei drohender Verschlechterung Ihrer Krankheit abzulehnen, ist ein gefährliches Spiel: die Gefahren durch die Krankheit sind viel größer als die durch eine kurzfristige Cortisoneinnahme!

Auch mittelfristig gibt es im allgemeinen nur wenig Probleme. Leichtere "Nebenwirkungen" an der Haut (blaue Flecken), auf die Blutmineralstoffe (Wadenkrämpfe, Müdigkeit) sowie leichtere Wassereinlagerungen und Appetitzunahme lassen sich überwachen und behandeln; sie klingen außerdem nach der Behandlung mit Cortison wieder ab. Das Wichtigste ist jedoch, daß die entgleiste Atemwegserkrankung wieder "ins Gleis kommt"!

Eine langfristige Cortisontherapie muß immer vom Arzt (am besten vom Lungenarzt) sorgfältig überlegt und, falls wirklich notwendig, überwacht werden. Wenn eine ausreichende Behandlung der Atemwegskrankheit sonst nicht möglich ist, kann man aber auch mit Cortison leben; im Gegenteil, man kann viel an Lebensqualität gewinnen, wenn man wieder Luft zum Atmen und Bewegen hat und nicht bei jeder Gelegenheit husten muß.

Alle diese Einschränkungen gelten für das Cortison in Sprayform t lokale Therapie) nicht! Hier gelangt Cortison praktisch nicht ins Blut, damit entfallen die typischen "Nebenwirkungen". Einige wenige Dinge sind aber auch bei dieser Form der Behandlung zu beachten:

  • gut den Mund ausspülen (wegen möglichem Pilzbelag und Heiserkeit)
  • Spacer benutzen (bei treibgashaltigen Sprays) -> bessere Wirkung -> weniger Reiz -> Schutz vor Mundpilz (Soor)
  • nie zur Bekämpfung von Atemnot inhalieren, sondern nur regelmäßig zur Vorbeugung!

Wichtig ist weiterhin die Einnahmezeit für die Wirkung und "Nebenwirkungen": Im Körper wird Cortison in einem bestimmten Rhythmus ins Blut gegeben, der dazu führt, daß tagsüber hohe Cortisonspiegel im Blut sind, die zum Abend langsam absinken und nachts gegen 3 einen Tiefpunkt erreichen (deswegen auch oft Asthmaanfälle um diese Zeit aus dem Schlaf heraus!). Deshalb ist es meist günstiger, Cortisontabletten so früh wie möglich einzunehmen (je nach Ihren Gewohnheiten wird das oft auch vor dem Frühstück sein!). Aus verschiedenen Gründen kann Ihr Arzt aber auch etwas anderes verordnen - dies müssen Sie dann befolgen. Im Zweifel schadet Nachfragen jedoch nie (auch dies gehört ja zum partnerschaftlichen Verhältnis').

Ein wichtiger Punkt ist auch die Dosis, also die Menge des eingenommenen Cortisons. Man kann hier für die Praxis unterscheiden zwischen:

  • niedrig dosiert - ca. 2.5 -10 mg (Milligramm = 1/1000 Gramm!)
  • mittelhoch dosiert - ca. 10 - 20 mg
  • hoch dosiert - mehr als 20 mg

Bei niedriger Dosierung sind im allgemeinen keine schwerwiegenden "Nebenwirkungen" zu erwarten.

Bei mittelhoher Dosis treten meist schon spürbare "Nebenwirkungen" auf, die jedoch bei guter Kontrolle und eventuell rechtzeitiger Behandlung akzeptabel sind ( im Verhältnis zur Schwere der Krankheit!).

Eine hohe Dosis bringt immer mehr oder weniger deutliche "Nebenwirkungen" mit sich; sie sollte längerfristig daher nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden.

Wie findet man denn nun die "richtige" Cortisondosis heraus? Dabei ist die PeakflowMessung ein wichtiges Hilfsmittel: man nimmt zuerst soviel Cortison, bis die PeakflowWerte einen stabilen Verlauf zeigen. Dann reduziert man die Cortisondosis schrittweise bis die Peakflow-Werte beginnen abzusin-ken. Die Größe dieser Schritte besprechen Sie mit Ihrem Arzt (meistens werden es etwa 5 mg - Schritte sein). Von Schritt zu Schritt müssen 4-S Tage vergehen; so lange dauert es beim Cortison, bis man den Effekt der Reduktion sicher beurteilen kann!

Wenn die Werte anfangen zu sinken, muß man wieder einen Schritt nach oben gehen. Dann hat man meistens die optimale Dosis gefunden. Diese kann sich allerdings im Lauf der Zeit verändern! Deswe-gen sind regelmäßige Arztbesuche sehr wichtig.

Mit Hilfe des Cortisonsprays - also der lokal wirkenden und damit schonenderen Einnahmeweise - lassen sich in der Regel 5 -10 mg Cortisontabletten einsparen! Erst wenn alle Inhalationsmedikamente und auch alle bronchienerweiternden Tabletten "ausgereizt" sind, und dann immer noch stärkere Be-schwerden bestehen, soll Cortison in Tablettenform als längerfristige Therapie eingesetzt werden! Eine Cortison-Tablettenbehandlung ohne "ausgereizte" Cortison-Spraybehandlung ist wie ein Hausdach ohne Fundament!

Wenn eine Behandlung mit Cortisontabletten bei Ihnen notwendig ist, sollten Sie einige Grundregeln beachten:

  • Dosis genau wie vom Arzt verordnet einnehmen.
  • Der Arzt sollte speziell mit Cortisonbehandlung vertraut sein.
  • Der Arzt sollte gewisse Kontrollen durchführen (besonders wichtig: Kaliumwert!)
  • Einnahmezeit so früh wie möglich (falls nicht anders verordnet!)
  • Gesunde, vitamin- und Mineralstoffreiche Ernährung; regelmäßige Gewichtskontrollen
  • Möglichst viel Bewegung ( beste Vorbeugung gegen Knochen- und Muskelprobleme)
  • Wenn irgend möglich, auf Behandlung in Sprayform übergehen!

Abschließend zu diesem Thema ein kurzer "Steckbrief", der für alle Cortisonhaltigen Medikamente gilt:

Wirkung: Entzündungshemmend, Vorbeugend (Schutzwirkung!) Nebenwirkungen: (nur Cortisonsprays): Mundpilz (Soor) und heisere Stimme möglich (wenn nicht korrekt angewendet!) (nur Cortisontabletten und -spritzen): Neigung zu blauen Flecken auch ohne größere Verletzungen, Wassereinlagerungen, Muskelkrämpfe (v.a. Wadenmuskulatur), Appetitzunahme, Ge-wichtszunahme; Bei langer Therapiedauer: Dünne Haut, Erhöhung der Knochenbrüchigkeit, Muskel-schwäche, Verschlechterung der körpereigenen Cortisonproduktion, Verstärkung einer bestehenden Zuckerkrankheit (Diabetes)

Anwendungsform: -Dosieraerosol / Pulverinhalator (="Spray") -Tabletten -Spritzen

Einige Namensbeispiele: Dosieraerosole: Pulmicort, Sanasthmax, Beclomet, Inhacort, Flutide, Atemur... Tabletten: Ultralan, Urbason, Decortin, PredniH, Syntestan, Decortilen

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