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Wasser in der Lunge

Luftknappheit durch Blutflüssigkeit in den Lungenbläschen

Wer zu wenig Luft bekommt und gar zu ersticken droht, durchlebt einen Alptraum! Man hat panische Angst, vor allem, wenn die Luftknappheit schnell zunimmt. Fast jeder denkt dann, dass „nicht mehr genug Luft in die Lunge kommt". Das passiert vor allem, wenn die Atemwege den Durchlass der Atemluft nur schwer möglich machen, beispielsweise wenn die Atemwegsschleimhäute geschwollen sind und sich verstärkt Schleim in den Atemwegen bildet, wie beim Asthmatiker oder bei schwer kranken Menschen mit einem bösartigen Tumor im Brustkorb, der die großen Atemwege „zudrücken" kann. Luftknappheit kann aber auch durch eine andere Störung hervorgerufen werden, die umgangssprachlich „Wasser in der Lunge" heißt.

Entstehung: Im Brustkorb des Menschen sind nicht nur die beiden Lungenflügel und das Herz „beheimatet". Hier sitzt auch der gesamte „kleine Kreislauf", also der Lungenkreislauf. Bei ihm geschieht folgendes: Die rechte Herzhälfte pumpt venöses, also sauerstoffarmes und relativ kohlendioxidreiches Blut in die Lungenarterien. Hier gelangt es über die vielen Aufzweigungen der arteriellen Strombahn in die kleinen Lungengefäße (Lungenkapillaren), die als sehr dünnwandige zarte Gefäße wie ein Netz um die ebenfalls sehr dünnwandigen Lungenbläschen gelegt sind. In diesem Bereich findet der Gasaustausch statt: mehr Sauerstoff ins Blut, mehr Kohlendioxid aus dem Blut heraus in die Luft in den Lungenbläschen. Weiter über sich immer mehr zusammenfindende venöse Lungengefäße bis zu den großen Lungenvenen hin und von dort zur linken Herzhälfte, wird das jetzt arterialisierte Blut mit hohem Sauerstoffgehalt und niedrigem Kohlendioxidgehalt in den großen Kreislauf gepumpt. Verändert sich der Druck im Lungenkreislauf oder verändern sich bestimmte Eigenschaften des Blutes, kann es passieren, dass im Bereich der Lungenbläschen nicht nur Gase ausgetauscht werden, sondern auch Blutflüssigkeit (von medizinischen Laien als Wasser bezeichnet) in die Lungenbläschen gedrückt werden kann. Das behindert dann den Gasaustausch, was wiederum der Mensch als Luftknappheit empfindet. Diese Zustände von „Wasser"ansammlung in den Lungenbläschen bezeichnen Mediziner als Lungenödem.

Ursachen: Ursache dafür kann eine massive Muskelschwäche des linken Herzens sein. Dann ist dieser Teil des Herzens nicht mehr in der Lage, das aus dem Lungenkreislauf heranströmende Blut ausreichend schnell weiter zu pumpen. Das Blut staut sich, die Stauung wird größer und im kleinen Kreislauf erhöht sich der Druck mehr und mehr. Diese Blutstauung im Lungenkreislauf ist die häufigste Ursache eines Lungenödems.

Aber auch eine Störung der Barrierefunktion der dünnen Hüllen der Lungenbläschen und der Blutkapillaren durch Giftstoffe kann dazu führen, dass Blutflüssigkeit („Wasser") aus den Lungenkapillaren massiv in die Lungenbläschen eindringt, wie das beispielsweise durch Medikamente (u.a. fehlerhaft dosierte Narkotika) oder durch Giftgase geschieht. Mediziner sprechen in diesen Fällen von einem toxischen Lungenödem. Viele Soldaten im Ersten Weltkrieg erlitten einen grausamen Erstickungstod, weil Giftgase (Chlorgas, Grünkreuz) eingesetzt wurden. Vor diesem Hintergrund sollte man wissen, dass die von extrem hygienebewussten Hausfrauen eingesetzten Abfluss- und Toilettenreiniger in Kombination mit bestimmten Putzmitteln auch zur Bildung von Chlorgas führen können!

Auch bestimmte Erkrankungen der Leber oder der Nieren, die glücklicherweise aber nur selten vorkommen, verursachen ein Lungenödem. Dabei verringern sich spezielle Eiweißmolekülen im Blut, wodurch die Blutflüssigkeit nicht mehr in den Blutkapillaren gehalten werden kann. Schließlich führen massive Nervenschädigungen bei Hirnschäden zu einem so genannten neurogenen Lungenödem und der ungewohnte Aufenthalt in großen Höhen (beim Bergsteigen) kann ein Höhenlungenödem hervorrufen.

Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit gering, an einem Lungenödem zu erkranken. Für fast alle genannten Fälle, außer bei bestimmten toxischen Lungenödemformen, gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten, sofern die Diagnose korrekt gestellt wird. Nicht vergessen sollte man jedoch, dass beim Krankheitsbild „Wasser in der Lunge" oft gar nicht Wasser und meist auch gar nicht Lunge gemeint ist, sondern generell die Ansammlung von Flüssigkeit im Brustkorbbereich. Diese Gesundheitsstörungen sollen jedoch hier nicht erläutert werden.

Symptome: Ein Lungenödem macht sich akut bemerkbar durch zunehmende Luftknappheit. Der Betroffene sitzt mit angstgeweiteten Augen da, sieht ziemlich krank aus, hat blaue Lippen und beim Atmen sind Begleitgeräusche wie beim Platzen kleiner Luftblasen zu hören. Die wichtigste Maßnahme ist es dann, den Kranken zu beruhigen, um den aufregungsbedingten Mehrverbrauch von Sauerstoff zu verhindern. Wenn möglich, sollte so schnell es geht der Notarzt gerufen werden. Schlüsselwörter wie „Brustschmerz" und „hochgradige Luftknappheit" informieren ihn. Ist kein Notarzt erreichbar, sollte die Feuerwehr gerufen werden, denn sie hat im Notfallwagen zumindest Sauerstoffflaschen zur zusätzlichen Zufuhr von O2. Sinnvoll ist es, den Patienten so hinzusetzen, dass seine Beine herabhängen können. Zusätzlich können abwechselnd (jeweils nach fünf Minuten) die Oberschenkel des Kranken nicht zu fest mit einem gerollten Tuch oder einem Riemen umbunden werden. Dadurch hält man eine gewissen Menge Blut im venösen Bereich der Beine zurück, womit wiederum die anflutende Blutmenge und damit die Stauung im Lungenkreislauf geringer wird. Schließlich können auch rasch wirkende Tabletten zur Entwässerung, bei hohen Blutdruckwerten auch Nitrosprays oder Nitrokapseln hilfreich sein. Sie dürfen allerdings nur von anderen verabreicht werden, wenn kein Notarzt erreichbar ist.

Vorbeugen: Die häufigste Ursache des Ödems, die Stauung im Lungenkreislauf durch verminderte Leistungsfähigkeit des linken Herzens, kommt allerdings meist nicht plötzlich und aus dem Nichts, mal abgesehen von einem Herzinfarkt mit Lahmlegung einzelner Herzmuskelabschnitte. So kann man der Erkrankung rechtzeitig vorbeugen, wenn bestehende Herzschwäche - oft im Gefolge von zu hohem Blutdruck - gewissenhaft behandelt wird. Fast immer lässt sich damit eine Lungenödementstehung vermeiden. Auch zum so genannten Höhenlungenödem muss es nicht kommen. Denn wer sich als nicht höhenangepasster Bergsteiger in Höhen über 4 000 Meter begibt, ohne die Möglichkeit einer zusätzlichen Sauerstoffbeatmung, handelt einfach leichtsinnig.

Dr. Oswald-Jörg Brückner,
Niedergelassener Pneumologe in München

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