Krafttraining gegen Atemnot
Es freut mich, dass Sie Interesse an unserer Studie haben bzw. an den neuen Ansätzen in der Trainingstherapie von COPD-Patienten. Ich möchte Ansätze betonen, da es wichtig ist Folge- bzw. Vergleichsstudien in diesem Bereich durchzuführen. Es könnte sein, dass dies bereits Ende nächsten Jahres der Fall ist.
Im Folgenden möchte ich Ihnen einige essentielle Informationen zu unserer Trainingstherapie mitteilen. Diese können nur allgemein ausfallen, da mir Ihre individuellen Details fehlen.
Leider gibt es bei COPD kein Wundermittel, lediglich einzelne Therapiemaßnahmen die versprechen mehr oder weniger erfolgreich zu sein. Dabei ist die wichtigste Maßnahme nicht zu Rauchen und verrauchte Orte zu meiden. Darüber hinaus gibt es einige Dinge, die Sie zusätzlich machen können, wie beispielsweise:
- Nehmen Sie Ihre Medikamente wie verordnet.
- Gehen Sie zu regelmäßigen Kontrollen zu Ihrem Lungenfacharzt.
- Versuchen Sie Ansteckung mit Krankheitserregern zu vermeiden und nehmen Sie die Grippeschutzimpfung in Anspruch.
- Je nach Schweregrad der COPD sollten Sie mit dem Oberkörper leicht erhöht schlafen, das erleichtert das Atmen.
- Nehmen Sie evtl. Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine, Mineralien etc.. Besonders Vit. C, Vit. A und Zink. Diese sind für das Immunsystem bzw. auch für die Schleimhäute von Bedeutung (wobei die Wirkung bzgl. der COPD noch nicht eindeutig geklärt ist – es gibt aber viel versprechende Hinweise).
- Bewegen Sie sich viel bzw. trainieren Sie nach dem vorgeschlagenen Trai-ningsprogramm (im Anhang). Dies erfordert Zeit und Disziplin, denn es ist ein hartes Training, was in den ersten zwei Monaten evtl. zu ungewöhnlichen Er-müdungserscheinungen führen kann. Es sollte Ihnen aber binnen drei Monate eine Besserung bringen.
Im Detail heißt dies, dass Sie sich ein kompetentes Fitness-Center; Gesundheitszentrum, Verein oder Physiotherapeuten suchen sollten. Diese Einrichtungen sollten unbedingt über Kraftmaschinen verfügen, da sonst die Wirkung gemäß unserer Studienergebnisse nicht gewährleistet werden kann. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Sie regelmäßig trainieren und sich langfristig (außer in der Muskelgewöhnungsphase) bis zur muskulären Erschöpfung belasten. Die rainingshäufigkeit sollte mindestens zweimal, besser drei bis viermal wöchentlich betragen. Am Anfang reichen je doch zwei Trainingseinheiten pro Woche. Die Trainingsdauer beträgt je nach Therapiephase 1-2 Stunden.
Achten Sie auf eine korrekte und langsame Bewegungsausführung. Dabei sollte zwar eine große Bewegungsreichweite gewährleistet sein, allerdings muss eine Gelenkstreckung unbedingt verhindert werden. Außerdem sollten Sie auf die richtige Atemtechnik achten, d. h. immer in der Hauptbelastungsphase ausatmen. Dies ist wichtig, um evtl. Blutdruckspitzen zu vermeiden. Im günstigsten Fall findet das Trai-ning unter ärztlicher Aufsicht statt. Da dies in der Praxis jedoch kaum möglich ist, sollte Ihnen bewusst sein, dass Sie das Training auf eigene Verantwortung durchführen. Daher lassen Sie sich bzgl. Kontraindikationen evtl. von Ihrem Arzt beraten.
Die Wirkung bzw. die physischen Anpassungen an das Training sind vielfältig und zu umfangreich, um sie hier komplett darzustellen. Sie sollten aber wissen, dass Sie durch die kräftigere Muskulatur im Alltag mobiler und belastbarer werden. Evtl. kommt es auch zu einer Besserung der COPD-Symptomatik aufgrund trainingsbedingter hormoneller Veränderungen (z. B. Testosteron, Wachstumshormon, etc.). Eine Verbesserung der Lungenfunktion konnten wir auch nachweisen, jedoch war diese primär bei den Patienten ohne Emphysem zu verzeichnen. Leider haben die Emphysematiker sich diesbezüglich kaum verändert. Sie wissen ja, wie die Medien Fakten manchmal etwas übertrieben darstellen.
Übrigens findet sich noch ein Minimalprogramm für den häuslichen Gebrauch" im Anhang. Dies ist für all diejenigen, die vielleicht Ihr Training mal ausfallen lassen müssen und trotzdem etwas für sich tun möchten gedacht. Diese gymnastischen Übungen können jedoch keinesfalls die reguläre Therapie ersetzen. Sie sollten sich ein oder zwei Übungen für jede Muskelgruppe heraussuchen und zwei bis dreimal bis zur subjektiven Ermüdung ausführen.
Ich hoffe Ihnen mit den o. g. Hinweisen geholfen zu haben. Wobei Ihnen das Meiste wahrscheinlich bekannt war. Momentan arbeiten wir mit der „Arbeitsgemeinschaft für pulmologisches Disease Management" und dem „Physionetzwerk" zusammen, in der Bestrebung ein nationales Netz aus Therapiezentren bzw. medizinischen Fortbildungen zu installieren. Jedoch ist es offen, ob es jemals zu einer Realisierung kommt und falls ja, dann erst Ende nächsten Jahres.
Ich wünsche Ihnen gute Besserung!
Mit freundlichen Grüßen,
PR Wright
Peter Richard Wright, Institut für Sportwissenschaft,
Ruhr-Universität Bochum, Tel: 0234/32-22965,
E-Mail: peter.wright at ruhr-uni-bochum.de