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Hilfe für Menschen mit Lungenerkrankung

Wir wollen mit diesen Seiten betroffene Menschen bei der Bewältigung ihrer Erkrankung unterstützen und mit nützlichen Informationen versorgen. Für den Erfahrungsaustausch stehen kostenlose Medien (Mailingliste und Diskussions-Forum) bereit.

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Wenn der Partner chronisch krank ist, helfen Aktivität, Achtung und Zeit

Chronische Lungenkrankheiten wie Asthma, COPD, Fibrose usw. belasten die Patienten sehr. Aber sie verändern auch das Leben der Partner und Angehörigen. Eine chronische Erkrankung wirkt sich auf gemeinsame Aktivitäten, auf Beruf und Finanzen, auf die Rollenverteilung in der Familie oder Beziehung aus. Vieles kostet mehr Zeit als vorher, manches ist gar nicht mehr möglich. Einem kranken Partner helfen kann schwere körperliche Arbeit sein, bis hin zur Belastung der eigenen Gesundheit. Hoffnungen und Lebenspläne zerschlagen sich, die Anpassung an neue Realitäten ist nicht einfach. Mancher mag heimlich denken: Mein Partner ist krank - aber wer denkt an mich? Solche Gedanken sind nicht kaltherzig, sondern sollten ernst genommen werden.

Die meisten chronischen Lungenerkrankungen machen Luftnot. Luftnot ist eines der schlimmsten Erlebnisse überhaupt. Sie ist schwer auszuhalten - für den, der sie hat und für den, der zuschauen muss, oft mit einem Gefühl der Hilflosigkeit. Sie schränkt die Belastbarkeit und Bewegungsfreiheit ein. Der Versuch, sie möglichst zu vermeiden, kann übervorsichtig und ängstlich machen. Auch andere typische Beschwerden können belasten, wie Husten, Auswurf, Störungen des Nachtschlafs, das Miterlebenmüssen von Schmerzen. Manches, was eine Weile gut zu ertragen ist, wird mit der Zeit eher schwerer, vor allem wenn klar wird, dass die Dinge nie mehr so werden wie vor der Krankheit.

Als Partner schwankt man zwischen Hilfewunsch, Verantwortungsgefühl, und verständlichem Unmut über die Einschränkungen und den Verzicht, die einen mitbetreffen. Manches wird einem erst langsam bewusst, so z.B. die veränderten Rollen. Wir alle haben bewusst oder unbewusst eine Vorstellung, wie unser Partner sein soll und wie die Rollen verteilt sind in der Partnerschaft. Eine chronische Erkrankung kann diese Rollenverteilungen ändern oder unmöglich machen, und es kann beiden Seiten sehr schwer fallen, wenn der vorher aktive, zupackende Partner plötzlich Hilfe braucht, oder der Schwächere plötzlich der Stärkere sein muss.

Sich Zeit geben: Oft hört man: _Damit muss ich eben fertig werden!" Aus der Erfahrung mit Partnern von chronisch Erkrankten wissen wir, dass es durchaus zwei bis drei Jahre dauern kann, bis diese innerliche Verarbeitung geleistet ist. Seien Sie freundlich zu sich selbst, fordern Sie nicht zu schnell zu viel von sich.

Realistisch bleiben: Vermeiden Sie Vorwürfe - an sich selbst oder den Partner. Wer wegen der chronischen Erkrankung eines Partners Schwierigkeiten im Umgang mit ihm, mit sich oder mit anderen hat, braucht sich nichts vorzuwerfen. Fast alle Menschen müssen den Umgang mit chronischen Erkrankungen zuerst lernen! Auch die Suche nach Ursachen oder Schuldzuweisungen an sich oder den anderen sind meistens unrealistisch und hel fen nicht weiter.

Gefühle zulassen: Achten Sie auf sich selbst, ihre Gefühle und Bedürfnisse. Auch wenn diese nicht erfüllbar oder problematisch sind! Es mag sich paradox anhören - aber es ist langfristig besser, Unzufriedenheit und Trauer zu spüren und auszuleben, statt sie zu unterdrücken. An Ihren Gefühlen ist nichts falsch. jeder sehnt sich nach Glück und Zufriedenheit. Das Eigene zurückzustellen, ist eben schwierig.

Den Menschen sehen: Problematisch wird es, wenn man auf den Kranken mitleidig oder ärgerlich herabsieht, gar die Achtung für ihn verliert. Das kann geschehen, wenn man mehr auf das schaut, was er alles nicht mehr kann, als auf das, was er immer noch ist: ein Mensch, Ihr Partner. Unterstützen Sie ihn als Person, nicht als Kranken. Er ist kein hilfloses Kind, nur weil seine Luft knapp ist.

Die Krankheit ist nicht alles: Lassen Sie sich nicht ganz von der Krankheit und ihren Anforderungen auffressen. Verantwortung hat Grenzen. Opfern Sie nicht all ihre eigenen Interessen, versuchen Sie einen gerechten Ausgleich zu finden. Achten Sie auf Verschnaufpausen und eigene Freizeit, füllen Sie diese möglichst mit entspannenden und Ihnen wohl tuenden Aktivitäten, über denen Sie alles andere eine Weile vergessen können.

Aktiv werden: Werden Sie aktiv, in jeder Beziehung! Aktiv zusammen mit dem kranken Partner, so gut es geht. Vermeiden Sie übertriebene Schonung des Kranken. Gerade bei chronischen Lungenerkrankungen ist Übung der noch vorhandenen Leistungsfähigkeit wichtig. Sorge und Angst führt oft zu unnötiger Schonung, das schadet eher. Sprechen Sie mit dem Arzt darüber, was Ihrem Partner zugemutet werden kann und soll, und tun Sie es gemeinsam.

Hilfe und Informationen: Werden Sie auch aktiv mit sich und für sich selbst. Holen Sie sich Hilfe, verschaffen Sie sich Information. Information und Vorbereitetsein, gute lungenfachärztliche Betreuung, Notfallpläne und - medikamente - all dies macht Sie und Ihren Partner selbstbestimmter und weniger ausgeliefert. Versuchen Sie nicht, mit allem allein fertig zu werden. Andere Menschen sind in der gleichen Situation. Viele haben sich in Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen. Dort finden Sie Unterstützung und die Möglichkeit sich auszusprechen bei Menschen, die wirklich aus eigener Erfahrung wissen, was Sie beschäftigt. Nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch, wenn Sie sie brauchen. Bevor alles über Ihnen zusammenschlägt, oder ihre Gefühle nicht mehr auszuhalten sind: Es ist völlig in Ordnung, wenn Sie sich selbst ärztliche oder psychotherapeutische Unterstützung holen.

Lungenkrankheit und Sexualität: Zur Aktivität gehört auch die Sexualität. Viele Paare mit chronisch kranken Partnern vermeiden sie aus Sorge vor gesundheitlicher Beeinträchtigung. Dies ist meist nicht nötig. Die sexuelle Aktivität selber ist nicht anstrengender als viele andere Tätigkeiten des Alltagslebens. Ruhige Zärtlichkeit ist wichtiger als sportliche Leistung. Andererseits wird die Wichtigkeit der Sexualität für eine gelungene und harmonische Partnerschaft sehr unterschiedlich gesehen, und heutzutage vielleicht auch weit überschätzt (aktuelles Buch dazu von Michael Mary: Fünf Lügen, die Liebe betreffend). Auch kann sich das Verhältnis zum Partner, die Rollen füreinander, über die Zeit oder durch die Krankheit so geändert haben, daß man ihn oder sie weniger als Sexualpartner sieht als zuvor. Dies ist keine ungewöhnliche Entwicklung, sie tritt ja auch in vielen Beziehungen gesunder Partner auf. Wenn dies aber für Sie Probleme macht, sollten Sie das Gespräch mit dem Arzt oder Psychotherapeuten suchen.

Quelle:
Spiro 09/2001
Dr. med. Ulrich Küstner,
Lungenfacharzt und Psychologe in Berlin

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