Husten der vom Magen kommt
Reflux - häufig nicht erkannt, aber gut behandelbar
Husten ist ein Symptom, das viele verschiedene Ursachen haben kann. Dazu gehören Erkrankungen der Lunge und der Bronchien wie beispielsweise Bronchitis, Asthma, Lungenentzündung, Tuberkulose, Mukoviszidose, Lungenembolie, Lungenkrebs. Auch eine Herzschwäche kann Husten auslösen. Ebenso kommen Entzündungen der Nasennebenhöhlen in Betracht. Husten kann aber auch vom Magen kommen. Dabei löst ein Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre den Hustenreiz aus. Mediziner bezeichnen die Beschwerden mit dem Fachbegriff gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD). Sie tritt in den zivilisierten Ländern der Welt relativ häufig (ca. 30 Prozent) auf. Da die Speiseröhre dem Transport der Nahrung dient und nicht der Verdauung, ist sie mit einem anderen Epithel (Schleimhaut) ausgekleidet als der Magen. Bei intensiverem Kontakt mit dem sauren Mageninhalt entzündet sie sich deshalb unterschiedlich stark. Manchmal treten Komplikationen, wie Einengungen, Blutungen, Geschwüre, Geschwulste auf.
Entstehung: Normalerweise besteht zwischen dem Magen und der Speiseröhre
eine Antirefluxbarriere. Diese wird unter anderem gebildet durch den unteren
Schließmuskel der Speiseröhre (Sphincter) und durch das Zwerchfell. Der
Verschlussmechanismus kann durch eine vorübergehende oder dauernde Erschlaffung
des Sphincters oder durch eine veränderte Anatomie (Hernie) gestört sein,
wodurch es zum Reflux kommt. Weitere Faktoren, die einen Reflux begünstigen,
sind:
Schwangerschaft, bestimmte Medikamente (z.B. Nitrate, Morphin, Theophyllin,
Barbiturate, Diazepam), Nahrungs- und Genussmittel (z.B. Schokolade, Alkohol,
Pfefferminze, Fett, Nikotin), verzögerte Magenentleerung, vermehrte Säurebildung
irn Magen, defekte Schleimhaut in der Speiseröhre. Ein geringer Reflux ist
normal und verursacht keine Beschwerden, da es durch Schlucken von Speichel
rasch zu einer Neutralisation kommt und da der saure Magensaft durch die
wellenartige Bewegung der Speiseröhre in Richtung Magen wieder zurückbefördert
wird.
Krankheitsbild: Krankhaft ist der Reflux, wenn er die Schleimhaut der Speiseröhre schädigt (Refluxösophagitis). Man unterscheidet bei der Refluxkrankheit verschiedene Stadien (nach Savary und Miller):
0. Reflux ohne Veränderungen der Schleimhaut
I. Einzelne Schleimhaut-Abschürfungen (Erosionen)
II. Konfluierende Erosionen
III. Kreisförmig zusammenfließende Schleimhauterosionen
IV. Komplikationen: Geschwüre (Ulzerationen), narbige Veränderungen/ Verengungen (Strikturen/Stenosen), Veränderung des Speiseröhrenschleimhautepithels (Barrett-Syndrom), erhöhtes Krebsrisiko
Oft treten die Schleimhautveränderungen in der Speiseröhre gemeinsam mit anderen Erkrankungen auf: Asthma bronchiale, chronischer Husten, Kehlkopfentzündung (Laryngitis), Schlaf-Apnoe-Syndrom, Zahnerosionen, Zungenbrennen, Lungenfibrose.
Beschwerden: 10 Prozent der Patienten haben keine Beschwerden. Zu den typischen Beschwerden gehören Sodbrennen (75 Prozent), Luftaufstoßen (60 Prozent), Schluckbeschwerden (50 Prozent), Zurückfließen von Nahrungsresten (40 Prozent), Schmerzen oder Brennen im Magenbereich (30 Prozent), salziger oder seifiger Geschmack nach dem Aufstoßen, Übelkeit, Erbrechen, so genannte "Herzstiche", Engegefühl in der Brust. Atypische Beschwerden sind: Husten, Heiserkeit, Räusperzwang, Globusgefühl, Asthma, Schmerzen im Brustbereich. Anhand der Beschwerden kann jedoch nicht auf das Ausmaß der Schädigung geschlossen werden. So kommen starke Beschwerden auch bei kaum vorhandener Schädigung der Schleimhaut vor. Umgekehrt empfinden Patienten im Alter oder mit narbigen Veränderungen (Strikturen) die Beschwerden nicht mehr als so stark.
Warum Husten? Eine Bronchienverengung verursacht den Husten: Wenn Nerven in der Speiseröhre (Fasern des Nervus vagus) gereizt werden, kann es bei vorhandenem Reflux zur Bronchienverengung und zum Hustenreiz kommen. Auch das Verschlucken (Aspiration) kleinster Mengen sauren Mageninhalts kann eine Bronchienverengung verursachen. Häufig treten solche Beschwerden nachts auf, da flaches Liegen eine Aspiration erleichtert. Zudem wird nachts weniger Speichel gebildet und seltener geschluckt. Auch eine gebückte Körperhaltung fördert den Reflux. Reflux kann Asthma bronchiale auslösen. Umgekehrt kann ein Reflux durch ein bestehendes Asthma begünstigt werden.
Diagnose: Bei andauerndem Husten (länger als zwei bis drei Wochen) oder hartnäckiger Heiserkeit sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Für diese Symptome sind verschiedene Ursachen möglich. Deshalb muss herausgefunden werden, welche das sind, bevor eine entsprechende Therapie beginnt. Hierzu zählen, wie oben erwähnt, Krankheiten der Lunge, der Bronchien, der Nasennebenhöhlen und des Herzens. Das geschieht durch eine entsprechende Befragung und körperliche Untersuchung des Patienten, sowie eventuell durch eine weiterführende Diagnostik (beispielsweise Röntgenaufnahmen der Lunge, Blutuntersuchungen, Lungenfunktion, EKG). Erhärtet sich anhand der Symptome und der vorliegenden Befunde der Verdacht auf eine Refluxkrankheit, erscheint es gerechtfertigt, eine entsprechende medikamentöse Therapie mit Protonenpumpenhemmern (s.u.) über vier bis acht Wochen durchzuführen. Bei vorhandener Refluxkrankheit gehen die Beschwerden unter dieser Therapie in der Regel zurück.
Bei anhaltender Beeinträchtigung, Schluckbeschwerden, Hinweise auf Blutungen im Magen-Darm-Bereich oder bei langjährig bekannter Refluxkrankheit ist eine Ösophagogastroduodenoskopie (Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm) angezeigt. Hierbei können auch Gewebeproben entnommen, eventuelle Blutungen erkannt und unterbunden werden.
Säuretypische Beschwerden (Läsionen) im Bereich der unteren Speiseröhre sind nicht immer zu sehen, auch wenn ein Reflux vorliegt. Die Konzentration der Säure in der Speiseröhre ist mit Hilfe einer dünnen pH-Sonde messbar, die während der Untersuchung eingelegt und nach 24 Stunden entfernt wird (pH-Metrie).
Vorbeugung: Vorbeugend oder bei gelegentlichen oder leichten Beschwerden kann zunächst versucht werden, mit allgemeinen Verhaltensmaßregeln den Reflux zu bessern. Dazu zählen:
- Kopfende des Bettes erhöhen, z.B. mit Ziegelsteinen
- drei Stunden vor dem Zubettgehen nicht mehr essen
- eng sitzende Kleidung vermeiden
- möglichst den Genuss von fettreichen Speisen, Schokolade, Alkohol, Cola, Zitrus säften, Tomatenprodukten vermeiden
- Gewichtsabnahme bei Übergewichtigen
- Rauchverzicht
Behandlung: Therapie der ersten Wahl bei bestehender Refluxösophagitis ist die Einnahme so genannter Protonenpumpenhemmer (z.B. Pantoprazol, Esopromazol, Omeprazol). Diese Medikamente hemmen die Protonenpumpe im Magen und reduzieren sehr effektiv die Säureproduktion im Magen. Sie sollten am besten 20 bis 30 Minuten vor der ersten Mahlzeit eingenommen werden. Die Behandlung ist in Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung über mehrere Wochen bis Monate notwendig. Protonenpumpenhemmer sind auch empfohlen bei Verdacht auf Husten durch Reflux (nach Ausschluss anderer Hustenursachen). Normalerweise kommt es schnell zu einer Linderung der Beschwerden und zur Abheilung der entzündeten Schleimhaut.
Weitere Medikamente zur Behandlung leichter Beschwerden sind Antazida. Das sind basische Aluminium-, Magnesium- oder Kalziumsalze (Maaloxanc', Talcid®, Riopann), die zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden. Meist tritt eine prompte, aber nur kurz anhaltende Linderung der Beschwerden ein. H2-Rezeptorantagonisten (z.B. Ranitidin) senken die Säureproduktion im Magen durch reversible Hemmung von H2-Rezeptoren. Prokinetika (z.B. Metoclopramid) hingegen beschleunigen die Magenentleerung und kräftigen den Ösophagusshincter. Sie sind nur bei leichter Ösophagitis wirksam. Zusammenfassend gelten Protonenpumpenhemmer allgemein als Medikamente erster Wahl zur Behandlung der Refluxösophagitis, zumal dadurch die Rezidivrate (Wiederauftreten) deutlich sinkt. Allgemeine Maßnahmen, Antazida und H2-Blocker versprechen eher wenig. In jedem Fall sollte die Einnahme von Medikamenten mit einem Arzt besprochen werden.
Operation: In seltenen Fällen werden operative Verfahren in Betracht gezogen. Das Grundprinzip ist die Herstellung einer Manschette um den Mageneingang, um den Säurerückfluss in die Speiseröhre zu verhindern (Fundoplicatio). Endoskopische Techniken befinden sich in der Erprobung, beispielsweise die Implantation von Gelkissen, Anwendung von Nahttechniken, Radiofrequenzapplikation. Die Indikation zur Operation muss eng gestellt werden und kann sein: jahrelange Refluxkrankheit, junge Patienten mit früher Form der Erkrankung, Erschlaffung des natürlichen Verschlussmechanismus. Sie ist fraglich bei Epithelveränderungen (Barrett-Osophagus). Reagieren Patienten gar nicht auf die Behandlung mit Protonenpumpenhemmern, ist die Indikation zur Operation nicht gegeben, da die Magensäure dann nicht die Ursache der Beschwerden darstellt
Alma Polzin,
Lungenklinik Heckeshorn