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Wenn Vernebler nicht täglich gereinigt werden, drohen Infektionen

Müssen Verneblergeräte zur Inhalation von Medikamenten nach jeder Anwendung oder zumindest einmal täglich desinfiziert werden? Drohen einem Patienten, der dies unterläßt, Infektionen durch Pilze und Bakterien? Ein Fall, den das Magazin „Der Spiegel“ kürzlich beschrieben hat, könnte Patienten und Ärzte verunsichern. Ein Mann, der längere Zeit ein solches Inhalationsgerät benutzt habe, heißt es, sei in einen „Teufelskreis von Infektion und Reinfektion geraten“, obwohl er sich angeblich bei der Reinigung des Gerätes streng an die Bedienungsanleitung des Herstellerunternehmens gehalten habe.

Die Barmer Ersatzkasse, bei der der Patient versichert ist, prüft derzeit, ob ein Regreßverfahren gegen den Hersteller des von dem Patienten benutzten Inhalationsgerätes, die Starnberger Pari GmbH, Erfolg haben könnte. Der Patient hatte sich 1991 einen Pari „Inhalierboy“ gekauft. Seine Bronchitis wurde aber trotz Therapie immer schlimmer. Nach einer Kortisontherapie und bei fortlaufender Inhalation bekam der Patient eine Lungenentzündung; wochenlang war er arbeitsunfähig. Prüfen will nun die Barmer, ob die hygienischen Anweisungen in der Bedienungsanleitung des Inhalationsgerätes ausreichend gewesen sind.

Das Starnberger Unternehmen weist den Vorwurf zurück, daß in der Gebrauchsanweisung des Gerätes von 1991 wichtige Informationen für die Reinigung gefehlt haben. Zwar seien die Anleitungen weiterentwikkelt worden, sagte Dr. Stefan Frinken, Arzt und Marketingleiter des Unternehmens, im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“. Aber die neuen Informationen bezögen sich nur darauf, daß die Teile des Gerätes in der Geschirrspülmaschine gereinigt werden könnten und daß die Trocknung der Teile mit dem Fön beschleunigt werden könne. Die wichtigste Empfehlung zur Reinigung laute heute genauso wie früher: Die Verneblerteile müssen nach jeder Anwendung unter fließendem Wasser gereinigt werden. Am besten mit heißem Wasser, so Frinken. Sehr wichtig sei auch, daß die Teile bis zur vollständigen Trokkung offen liegen blieben und erst dann wieder zusammengesetzt würden. Denn Feuchtigkeit ist bekanntlich ein optimales Medium für die Ausbreitung von Keimen.

Eine tägliche Desinfektion der Geräte sei bei Patienten mit intaktem Immunsystem nicht nötig, sagte Frinken. Dazu zählen etwa Patienten, die die Verneblertherapie wegen eines schweren Asthmas oder einer chronischen Bronchitis anwenden. Patienten mit geschwächter Immunabwehr, etwa HIV-Infizierte mit einer Lungenerkrankung oder auch Mukoviszidose-Patienten, sollten den Vernebler dagegen jeden Tag sterilisieren und desinfizieren, so Frinken. Eine Desinfektion ist natürlich immer erforderlich, bevor das Gerät von einem zweiten Patienten benutzt wird.

Die Empfehlungen des Unternehmens decken sich mit denen von Pneumologen und von Fachgesellschaften, etwa der Deutschen Atemwegsliga, die 1994 Empfehlungen zur Inhalationstherapie und zur Reinigung der Geräte veröffentlicht hat (Pneumologie 48, 1999, 1246).

Professor Ulrich Cegla, niedergelassener Pneumologe aus Dernbach, bestätigt ebenso, daß eine tägliche Desinfektion der Geräte nicht nötig sei. Die Keime, die über das Mundstück in das Gerät kommen, sind die gleichen, die der Patient ohnehin in den Atemwegen und der Lunge hat, sagte er auf Anfrage. Das Auswaschen der Teile, einmal am Tag, reicht nach seiner Einschätzung aus. Es sollte bei der Reinigung aber möglichst kein Geschirrspülmittel verwendet werden, da sie Allergene enthalten können. Wenn doch, sollte immer mit Wasser gründlich gespült werden. In der Praxis bestehe aber ein ganz großes Problem, betont Ceg­la: „Die Geräte werden viel zu selten gewaschen.“

Wie wichtig die gründliche Reinigung und Trocknung der Teile ist, belegt eine Untersuchung, die von Pressor Hermann Lindemann und Kollegen in Gießen gemacht worden ist. Bei 36 Patienten mit Mukoviszidose und zwei Patienten mit chronischer Sekretretention ist dabei die bakterielle Verunreinigung von 63 Verneblersystemen mikrobiologisch untersucht worden. Die Patienten hatten die Geräte dabei sehr unterschiedlich gewartet (Monatsschr Kinderh 142, 1999, 209).

Bei Patienten, die die Teile nicht ordnungsgemäß gereinigt und getrocknet hatten, wurden zum Teil massive bakterielle Verunreinigungen festgestellt, etwa mit Pseudomonas aeruginosa, Staphylokokken und Streptokokken. Bei Patienten, die die Teile mit heißem Wasser gereinigt und anschließend mindestens vier Stunden in der Raumluft getrocknet hatten, waren 13 von 18 Vernebler steril. Fünfmal fanden sich Keime der Mundflora in unbedenklicher Zahl. Auf eine Desinfektion der Teile kann verzichtet werden, wird betont.

Das empfiehlt die Atemwegsliga

Der Verneblerteil des Inhalators sollte täglich einmal unter fließendem Wasser oder in der Spülmaschine gereinigt werden.

Ein Auskochen sollte nicht erfolgen, da es keine hygienischen Vorteile bringt und die Kunststoffteile eventuell zerstört werden.

Die Einzelteile sollten zerlegbar sein, damit ein Trocknen erleichtert wird.

Es empfiehlt sich, die Inhalationslösung frisch zuzubereiten. Vor der Benutzung oder Reinigung des Gerätes sorgfältig die Hände reinigen!

 

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