Wie Top-Wintersportler sichvor
Erkältungen schützen können
Sportmediziner gibt Tips zur Prävention und zur allgemeinen "Erkältungshygiene"
Sole-Inhalation versperrt Viren den Weg zur Schleimhaut
Garmisch-Partenkirchen (rf). Leistungssportler in Wintersportdisziplinen bekommen nach Angaben von Dr. Ludwig Geiger vier- bis fünfmal häufiger Infektionen, vor allem der oberen Atemwege, als der Durchschnitt der Bevölkerung. Worauf dies zurückzuführen ist und wie sich den Infekten vorbeugen läßt, hat der Chefarzt der Blumenhof-Klinik in Bad Feilnbach, offizielles Untersuchungszentrum des Bayerischen Skiverbandes, beim 2. Internationalen Kongreß für Wintersportmedizin in Garmisch-Partenkirchen berichtet.
Spitzensportler fallen nach intensiver körperlicher Belastung in ein "lmmunloch, das Viren wie ein offenes Fenster passieren können", sagte Geiger. Eine akute Immunsuppression nach hartem Training oder einem schweren Wettkampf halte 24 bis 48 Stunden, zum Teil sogar bis zu 72 Stunden an.
In dieser Zeit sei die Zahl der natürlichen Killerzillen vermindert, im Bereich der Schleimhäute gebe es weniger 1gA, und die Zytokinproduktion sei vermindert.
Zudem kämen beim Wintersport noch weitere entzündungsfördernde Faktoren hinzu: Die Kälte reizt direkt die Schleimhäute, Feuchtigkeit bewirkt reflektorisch eine Minderdurchblutung der Atemwegsschleimhäute und in großer Höhe ist der Grundumsatz erhöht und es wird dem Körper verstärkt Flüssigkeit entzogen. Auch sei die Virulenz pathogener Keime wie Rhinoviren unter diesen Bedingungen erhöht, so Geiger. Dazu komme, kritisierte der Sportmediziner, daß viele Athleten nach dem Wettkampf noch in der Kälte stehen blieben und zunächst Interviews gäben.
Die häufigsten Atemwegsinfektionen bei den Wintersportlern sind mit 96 Prozent Rhinitiden. Es folgen mit 72 Prozent Pharyngitis und Laryngitis, Sinusitis (40 Prozent) und Sinubronchitis (28 Prozent).
Als wichtigen Therapiebestandteil - außer der Anwendung etwa von Mukolytika und Antitussiva - nannte Geiger Inhalationen von Salzlösungen wie Emser Salz. "Das wird kaum gemacht", sei aber sehr sinnvoll, um Viren den Zugang zu den Schleimhäuten zu verstellen. Als langfristige Prophylaxe empfiehlt der Sportmediziner den Athleten unbedingt die Grippeschutzimpfung - direkt vorher und nachher sollte allerdings starke körperliche Belastung gemieden werden! - sowie eine Schluckimpfung mit Bakterienlysaten. Zur Immunmodulation sei die Zufuhr von Vitaminen, Selen und Zink sowie auch Echinacin zu empfehlen. Sehr wichtig sei es für Athleten auch, die Glykogenspeicher in den ersten ein bis zwei Stunden nach Training und Wettkampf aufzufüllen und auf ausreichende Eiweißzufuhr zu achten.
Als allgemeine Verhaltensregeln nach dem Training empfiehlt Geiger eine "Erkältungshygiene", also schnellen Kleiderwechsel, rasches Trocknen der Haare und Meiden infektiöser Kontakte, womit er von anderen benutzte Trinkflaschen und vor allem die Interviews mit Reportern meint, sowie regenerative Maßnahmen wie Auslaufen, ausreichend Schlaf sowie Entspannungsübungen.