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Ernährungsfrage

Claus-Günther Niemietz

Auf Anregung von Brigitte (aus Mannheim) habe ich meine Erfahrungen mit "gesünderer" Ernährung aufgeschrieben .Es war für mich sehr interessant, mal wieder über das Thema nachzudenken und mich an verschiedene Erfahrungen zu erinnern. Ich hoffe, der Text ist nicht zu lang geraten.

Meinem Zahnarzt ist es zu langweilig, nur Reparaturen vorzunehmen. Er beschäftigt sich deshalb seit über 20 Jahren mit Ernährung und verschiedenen "alternativen" Heilmethoden. Ende 1996 hat er mich auf meinen schlechten Zustand angesprochen und mir vorgeschlagen, eine Therapie zu beginnen. Zu dem Zeitpunkt war ich ständig schlapp und meine Bronchitis war auch dauernd präsent. Außerdem litt ich seit meine Kindheit an einer Neigung zu Durchfällen. Diese war so selbstverständlich Teil meines Lebens, dass ich sie überhaupt nicht als Krankheit eingeschätzt habe. Vor der Therapie fand eine (nicht schulmedizinische) Untersuchung statt. Ich habe ein 60 Seiten langes Manuskript mit Diagnose und verschiedenen Vorschlägen zur Therapie bekommen. Ziel: Regeneration und deutliche Stärkung des Immunsystems. Der wichtigste Punkt war dabei die Umstellung der Ernährung auf Vollwertkost. Dazu kamen einige ergänzende Kuren und Behandlungen. Ich habe nur einen Teil dieser Vorschläge umgesetzt. Durchfall und Husten verschwanden, ich fühlte mich viel besser. Die ersten Verbesserungen traten relativ schnell ein. Stabil war der Zustand nach ca. sechs bis neun Monaten. Im Wesentlichen ist es dabei bis heute geblieben. Allerdings habe ich durch mein Verhalten Einfluss auf meinen Zustand. Verstoße ich über längere Zeit gegen eine oder mehrere wichtige Regeln, so verschlechtert sich mein Zustand wieder. Verhalte ich mich dann wieder diszipliniert, tritt auch wieder eine Verbesserung ein .

Zunächst ein Zitat aus "Vollwert-Ernährung" (von Körber/Männle/ Leitzmann), einem Buch eher für Ernährungswissenschaftler : "Die Vollwert-Ernährung besteht überwiegend aus pflanzlichen Lebensmitteln und einem mäßigen Anteil tierischer Lebensmittel; sie kann auch als vegetarische Variante praktiziert werden. Besondere Bedeutung wird einem möglichst geringen Verarbeitungsgrad bzw. einer möglichst hohen Naturbelassenheit der Lebensmittel beigemessen, d.h. übertrieben verarbeitete Lebensmittel sollten gemieden werden. Der Übergang zu mehr pflanzlicher, gering verarbeiteter Kost bringt in der Regel keine Nachteile, sondern wesentliche Vorteile für die Nährstoffversorgung und die Gesundheit."

Es gibt Leute, die am liebsten alles roh essen (brrh). Andere bevorzugen zubereitete Kost. Man muss selbst herausfinden, was einem schmeckt und bekommt. Wenn du keine Lust hast zu kochen, kommt für dich vielleicht die Rohkostvariante in Frage. Auf alle Fälle sollte man etwas darüber lesen. Ich habe zum einen die sehr fundamentalistische Position des deutschen "Vollwertpabstes" Dr.Bruker gelesen, Teile des o.a.Buches und außerdem ein eher esoterisches Ernährungsbuch nach Hildegard von Bingen. Das von Bruker heißt: "Unsere Nahrung-unser Schicksal". Es ist nicht allzu dick, einigermaßen erschwinglich (ca.20 DM) und stellt die wesentlichen Punkte klar dar. Es nimmt aber eine sehr radikale Position ein. Mein Zahnarzt meinte, Dr.Bruker sei heute überholt. Ist aber trotzdem eine Empfehlung zur Information. Es gibt außerdem jede Menge Kochbücher. Ich bin aber eigentlich mehr für das freie Schaffen in der Küche. Ein sehr preiswertes Kochbuch gibt es als Taschenbuch von Barbara Rütting "Mein Kochbuch". Das ungarische Kartoffelgulasch hat sogar meiner damaligen Partnerin geschmeckt. Das kann übrigens zum Problem werden: wenn ein Partner seine Gewohnheiten ändern will und der andere dabei nicht mitmachen kann oder will.

Noch ein Punkt, bevor ich endlich mit den Details anfange: Von Vollwertkost nimmt man nicht zu, sondern eher ab. Ich habe in den ersten Monaten etwa 6 kg abgenommen. Bei 176cm Körpergröße von etwa 68 kg auf 62 kg. Danach ist das Gewicht konstant geblieben. Die 62 kg waren früher jahrelang mein Normalgewicht. Die 68 kg waren auf ausgiebiges Wohlleben zurückzuführen. Ich habe gelesen, dass Leute, die sich von Vollwertkost ernähren, in der Regel etwas weniger Gewicht haben als andere. In den ersten Wochen meiner Bronchitis in diesem Jahr habe ich stark abgenommen. Leider besitze erst seit Samstag wieder eine Waage. Aber rutschende Hosen sprechen auch eine eindeutige Sprache. Sobald es mir besser ging, habe ich mir eine "Fresskur" verordnet. Morgens und Mittags bin ich bei meinem gewohnten Programm geblieben. Am Abend habe ich gegen alle Regeln verstoßen. Ich habe jeden Abend Fleisch gegessen, bei der Zubereitung nicht an Öl, Butter und Sahne gespart. Außerdem Schokolade und/oder Chips zum Nachtisch. Meine neue Waage behauptet, dass ich jetzt 60 kg wiege. Ich kann also langsam zu meinem gewohnten Programm zurückkehren. Der Nachteil der abendlichen Futterei ist, dass man schlechter schläft. Andererseits verbraucht man Nachts wenig Kalorien. Deshalb bleibt etwas hängen. Jetzt werde ich meinen Fett- und Eiweißanteil morgens und mittags steigern.

Das wichtigste Nahrungsmittel ist das Getreide. Wahrscheinlich kann man sich lange Zeit von Vollkornbrot, Butter und Äpfeln ernähren, ohne Mangelerscheinungen zu haben. Dem "normalen" Auszugsmehl fehlen Bestandteile, die für die Verarbeitung im Körper wichtig sind. Dieses Mehl hält sich aber viel länger als Vollkornmehl und lässt sich besser lagern. So führen wirtschaftliche Faktoren zu einer Verschlechterung der Lebensmittelqualität.

Gutes Vollkornbrot findet man oft im Reformhaus, im Bioladen und natürlich bei einigen Bäckern. Die Fabrikprodukte haben meistens nicht diese Qualität. Leider befinden sich im Vollkornmehl mehr Allergene. Ich habe zum Beispiel eine Weizenallergie und Roggen ist mir auch nicht immer zuträglich. Nach dem ersten Genuss von (viel) Weizenvollkornbrot hatte ich einen Tag lang heftige Hustenanfälle. Davon war ich noch Tage später kaputt. Eine Weizenallergie soll übrigens sehr verbreitet sein. Roggen kann ich je nach Allgemeinbefinden besser oder schlechter ab. Der verursacht bei mir im ungünstige Fall starken Druck im Bauch. Dies ist beim Lungen-emphysem auch nicht so toll. Ich esse überwiegend Getreideprodukte aus Dinkel. Dinkel gilt als allergenfrei und ist vom Nährstoffgehalt mit Weizen vergleichbar. Dieses Getreide spielt bei der Ernährung nach Hilldegard von Bingen eine zentrale Rolle. Die hatte vor gut 1000 Jahren Visionen und hat daraufhin Texte zu allen möglichen Themen diktiert. Unter anderem über die Heilwirkung verschiedener Lebensmittel und Gewürze. Außerdem werden nur zubereitete Speisen gegessen. Ich richte mich in einigen Punkten nach diesem Konzept, weil ich damit gute Erfahrungen gemacht habe.

Andererseits werde ich nie ein konsequenter Anhänger dieser Richtung werden. Das ganze Konzept stammt halt doch aus dem Mittelalter und ist stark religiös geprägt. Dazu fehlt mir der Zugang. Es werden inzwischen von allen möglichen Leuten Hildegard-Bücher verfasst. Die Entdecker und Pioniere heißen Hertzka und Strehlow und haben jeden Menge Texte übersetzt. In deren Umfeld wird für biologischen Dinkelanbau gesorgt. Ich beziehe z.B. Vollkornnudeln und Mehl von einer Mühle aus diesem Umfeld. Leider gibt es hier im Norden wenig Auswahl an Dinkelbrot. Meistens wird dabei zusätzlich Weizenmehl verwendet. Daher backe ich oft selber Brot. Das ist sehr einfach und kostet nicht viel Zeit. Sonst kaufe ich Haferbrot. Ich esse aber auch gelegentlich Weizenprodukte. Die Verträglichkeit hängt immer vom gesamten Wohlbefinden und der Menge ab. Die Allergie schränkt halt meine Auswahl ein. Mein Zahnarzt meinte, je älter man ist, desto heftiger können die Reaktionen bei der Umstellung auf Vollkornprodukte sein. Nach meiner Erfahrung würde ich dann eher mit Vollkornnudeln als mit Vollkornbrot beginnen.

Im Alltag esse ich Mittags im Büro immer Brot mit Butter und vegetarischem Brotaufstrich (z.B.Tartex) oder vielleicht mal Lachs. Leider habe ich von Kind auf Aversionen gegen Käse, was meine Auswahl wieder beschränkt. Von Wurstaufschnitt wird wegen der verarbeiteten Zusätze und dem Schweinefleisch bei Vollwertkost sowieso abgeraten. Ich habe mich an diese Arte des Mittagessens gewöhnt und keine Probleme damit. Gelegentlich kommt noch ein Apfel oder eine Banane hinzu. Außerdem esse ich tagsüber noch einen Joghurt.

Abends esse ich Vollkornnudeln oder Naturreis mit Gemüse. Zu Anfang habe ich auch viel Kartoffeln verwendet. In diesem Jahr will ich den Kartoffelanteil wg. der größeren Abwechslung wieder steigern. Aber Nudeln kann man schneller zubereiten.

Ein wesentlicher Punkt ist das Frühstück. Hier empfehlen die meisten Vollwertler ein Müsli aus rohem Getreide. Man schrotet abends einen oder zwei Esslöffel voll Getreide und lässt es über Nacht in Wasser aufquellen. Morgens fügt man Milch oder Joghurt, evtl. Leinsamen o.ä. und vor allem frisches Obst hinzu. Ich habe dabei immer viel Sahne und Ahornsirup verwendet, ohne diese Zutaten wäre mir dieses Müsli zu rustikal gewesen. Überdies habe ich es als eher "kalte" Speise (Milch, Joghurt usw.) empfunden. Ich esse z.Zt. morgens Brot und einen Apfel. Als Aufstrich esse ich Honig, Mandelmuß oder was sich sonst noch Interessantes findet. Zuckerhaltige Produkte sind nicht gestattet. Eine Frühstücks- Alternative ist das sog. Habermuß nach Hildegard. Hier wird eine Art Grieß mit bestimmten Gewürzen, Honig und Apfel gekocht. Geschmacklich zunächst gewöhnungsbedürftig aber meiner Meinung nach viel besser als das Müsli mit rohem Getreide. Dieses Habermuß heizt einem richtig ein. Davon bekommt man warme Füße und Hände. Im Sommer ist es mir wirklich zu "warm".

Der Umgang mit Obst und Gemüse ist einfach. Je mehr, desto besser. Verschiedene Gemüse essen. Möglichst frisch sollte es sein. Wenn es gekocht oder gedünstet wird, die Zubereitungszeit möglichst kurz halten. Als zweitbeste Wahl kommen Tiefkühlprodukte in Frage. Konserven sollten eher die Ausnahme bilden. Wenn man eine gute Bezugsquelle hat, sollten Produkte aus biologischem Anbau bevorzugt r entzieht dem Körper dabei Vitamine. Das soll im Extremfall dazu führen können, dass im Skelett eingelagerte Vitamine abgebaut werden. Zuckerkonsum ist in der Regel ein Minusgeschäft für den Körper. Leider macht er auch irgendwie süchtig. Wenn ich mir eine Naschphase gönne, habe ich Probleme davon wieder loszukommen. Noch einige Tage später treten Gelüste auf. Ernähre ich mich dann eine Zeitlang zuckerfrei, verschwinden diese Gelüste ganz. Zucker wirkt sich außerdem nach meiner Erfahrung am ungünstigsten auf die Verdauung aus. Laut Dr.Bruker führt Zucker in Zusammenhang mit Vollkornmehl zu Blähungen.

Ersatzweise kann man zum Süßen Ahornsirup oder Honig verwenden. Ich benutze in kleinen Mengen Vollrohrzucker, der sehr wenig verarbeitet ist, aber bei weitem nicht so süß wie weißer Zucker ist.

Fleisch esse ich normalerweise nur am Wochenende. Meistens verwende ich Rind - oder Putenfleisch. Schweinefleisch steht nicht mehr auf meiner Einkaufsliste. Man gewöhnt sich schnell an den geringen Fleischkonsum. In Anbetracht der Produktionsmethoden der Agrarindustrie habe ich sowieso kein Problem damit.

Zuletzt etwas zu den Getränken. Der von Dr.Kleine erwähnte doppelte Whiskey oder andere Spirituosen sollten eigentlich gemieden werden. Manchmal geht es einem aber nach einem Schnaps einfach besser. Ich trinke jedenfalls gelegentlich mal einen. Wein, Kaffee und schwarzer Tee sollten ebenfalls nicht regelmäßig und in großen Mengen getrunken werden. Gegen mäßigen Genuß ist aber nichts einzuwenden. Ich trinke normalerweise morgens eine Art Kaffee/Tee auf Getreidebasis (Dinkel). Sonst trinke ich viel Mineralwasser ohne Kohlensäure und ab und zu mal Tee oder Fruchtsäfte. Kaffee trinke ich meistens nur in Gesellschaft.

Das sind die wesentlichen Grundzüge, nach denen ich mich normalerweise ernähre. Als ich mit der Umstellung angefangen hatte, dachte ich zuerst, jetzt gibt es überhaupt nichts Leckeres mehr zu essen. Geschmack ist aber auch eine Frage der Gewöhnung. Ich habe keine Probleme mit meinem Programm. Die Vollwertkost ist nicht teurer als andere Ernährungsformen. Wie arbeitsintensiv sie ist, hängt von den eigenen Vorlieben ab. Wer gerne viel kocht, wird sich auch bei Vollwertkost verwirklichen können. Ich bin eher für die schnelle Küche, da ich nach der Arbeit nicht so viel Zeit aufwenden möchte. Wie ich vorher schon erwähnt habe , halte ich mich nicht ständig strikt an die Grundsätze. Die Vollwertkost ist die Basis meiner Ernährungsweise von der ich mir immer wieder Ausnahmen gestatte. Die Hauptsache ist, dass das Gesamtniveau stabil bleibt. Wie oft und wieviel Ausnahmen ich mir erlaube hängt von meinem Allgemeinzustand und meiner Widerstandskraft gegen bestimmte Versuchungen wie z.B. Schokolade ab. Beim Schreiben habe ich festgestellt, das ich mal wieder einer längere disziplinierte Phase durchführen sollte. In jedem Fall ernähre ich mich jetzt gesünder als vor der Umstellung.

Zusätzlich kann man noch mit Nahrungsmittelergänzungen arbeiten. Es gibt Leute, die meinen, dass z.B. im Gemüse wegen der modernen Anbaumethoden heutzutage weniger Vitamine enthalten sind, als noch vor 20 Jahren und das deshalb diese Stoffe zusätzlich dem Körper zugeführt werden sollten. Tabletten kommen dabei nur vorübergehend in Frage. In den ersten Monaten der Umstellung habe ich zur schnelleren Regeneration einige solcher Produkte verwendet. In Schwächephasen können solche Produkte weiterhelfen. Eines ist z.B. Basica (ein Pulver zum Auflösen in Flüssigkeit) . Es enthält diverse Mineralien und Spurenelemente. Ich verwende es im Moment wieder zusätzlich für einige Monate. Das beste Mittel war Cellagon-Aurum, ein Konzentrat aus div. Gemüsen, Früchten und Kräutern. Das wird beispielsweise von Hochleistungssportlern in Trainingsphasen verwendet. Leider ist es ziemlich teuer (ca. DM 100 pro Monat).

Ich hoffe, dass ich nicht allzuviele Punkte vergessen habe. Wenn man seine Ernährung verbessern möchte, kommt man ohne eine Anleitung nicht aus. Deshalb sollte man sich ein Buch darüber besorgen. Letzten Endes muss man dann zu der für einen persönlich geeigneten Ernährungsform finden. Ich habe damals radikal umgestellt, weil das zur Therapie gehörte. Man kann natürlich auch Stück für Stück Produkte ausprobieren und die dann langsam in seine gewohnte Ernährung einbauen.

Viele Grüße aus Hamburg von Claus-Günther Niemietz

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