COPD Lungenemphysem Alpha-1-Antitrypsinmangel Lungentransplantation

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Themenübersicht

Was ist eine Raucherlunge?

Prim. Dr. Norbert Vetter

"Raucherlunge" ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine länger bestehende Erkrankung der Atemwege, die COPD. Es handelt sich dabei meist um die Kombination einer chronischen Bronchitis (Husten mit Auswurf über mindestens drei Monate in zwei aufeinanderfolgenden Jahren) mit einer Verengung der Bronchien (Obstruktion) und als Folge davon mit einer Überblähung der Lungenbläschen (Emphysem). Durch die Verengung der Bronchien ist die Ausatmung erschwert und das Atmen wird für den Patienten anstrengend. Der Gasaustausch zwischen der Atemluft und dem Blut ist behindert, der Sauerstoffgehalt des Blutes nimmt ab.

Alle diese Faktoren führen zu einer starken Beeinträchtigung der körperlichen Leistungsfähigkeit, besonders in späteren Stadien der Krankheit können plötzliche Verschlechterungen, meist durch zusätzliche Infektionen, zu lebensbedrohlichen Zuständen führen.

 

  Welche Stadien einer Raucherlunge gibt es?

Die COPD wird laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) in drei Stadien eingeteilt, die chronische Bronchitis wird dabei als Frühstadium betrachtet.

  • Stadium 1: chronische Bronchitis mit ständigen Beschwerden

  • Stadium 2: wie 1 aber mit Einschränkung der Leistungsfähigkeit

  • Stadium 3: zusätzlich besteht eine Störung des Gasaustausches

 

  Wie entsteht eine Raucherlunge?

Am Beginn der Erkrankung steht eine Schädigung der Schleimhaut in den kleinen Bronchien. In der Schleimhaut sorgen normalerweise sogenannte Flimmerzellen dafür, dass eingeatmete Schmutzteilchen zusammen mit dem produzierte Schleim nach oben transportiert werden und ausgehustet werden können. Durch verschiedene Faktoren (einer der wichtigsten ist das Rauchen) werden diese Flimmerzellen zerstört, es kommt zu einem Schleimrückstau, was wiederum die Ansiedlung von Keimen und die Entstehung von Entzündungen (Bronchitis) fördert. Durch immer wiederkehrende Entzündungen kommt es schließlich zu einer Verdickung der Bronchienwände. Zusätzlich können auch Verkrampfungen der Bronchienmuskulatur eine weitere Verengung der Luftwege bewirken. Diese Verengung und die Verstopfung durch vermehrt gebildeten Schleim führt zur Ausweitung der Lungenbläschen (Emphysem).

 

  Wer ist besonders betroffen?

Ein Großteil der Betroffenen sind Raucher - jeder zweite Raucher über 40 leidet an einer chronischen Bronchitis - die Schwere der Ausprägung korreliert dabei mit der Anzahl der gerauchten Zigaretten. Die Erkrankung tritt häufiger bei Männern und in höherem Lebensalter auf, Luftverschmutzung, Allergien und ein angeborener Enzymmangel (Alpha1-Antitrypsinmangel) können darüber hinaus das Entstehen dieser Krankheit begünstigen.

 

  Welche Beschwerden treten auf?

  •  

  • Zunehmend häufiger und starker Husten mit Auswurf , besonders tagsüber

  • Kurzatmigkeit vor allem bei körperlicher Anstrengung

  • Eingeschränkte Belastbarkeit

  • Gehäuftes Auftreten von Lungenentzündungen

Im Spätstadium 

  • Bläuliche Verfärbung der Lippen durch den Sauerstoffmangel

  • Auftreibung der Finger- und Zehenspitzen (Trommelschlegelfinger und - zehen) und Uhrglasnägel als Folge des Sauerstoffmangels.

 

Was können Sie selber tun? 

  • Raucher sollten versuchen mit dem Rauchen aufzuhören. 

  • Der Aufenthalt in verrauchten Räumen und der Kontakt mit Schadstoffen sollte vermieden werden, eventuell kann ein Wechsel des Arbeitsplatzes oder der Wohngegend sinnvoll sein. 

  • Regelmäßiges körperliches Training nach ärztlicher Untersuchung und Anleitung verbessert die Sauerstoffnutzung. 

  • Lassen Sie sich regelmäßig gegen Grippe und Pneumokokken impfen.

 

  Wie stellt der Arzt die Diagnose? 

Bei der Erhebung der Krankengeschichte wird der Arzt besonders auf Häufigkeit und Dauer des Hustens, mögliche Schadstoffbelastung, Atemnot und Auftreten von Infektionen eingehen.
Beim Abhören der Lunge im Rahmen der körperlichen Untersuchung sind charakteristische Atemgeräusche zu hören. 

Um das Ausmaß der Erkrankung genau beurteilen zu können und alle anderen möglichen Ursachen für eine Einschränkung der Atemfunktion auszuschließen werden Röntgenuntersuchungen, eine Lungenfunktionsprüfung und ein EKG (Elektrokardiogramm) durchgeführt. 

Weiters wird er Blutuntersuchungen zur Bestimmung der Blutgase (Sauerstoff, Stickstoff u.a.) und der Entzündungswerte (Blutbild, Blutsenkung, CRP) veranlassen.  

Der ausgehustete Schleim kann auf mögliche vorhandene Bakterien untersucht werden. 

 

  Mögliche Folgen und Komplikationen 

  • Häufig wiederkehrende Lungenentzündungen 

  • Herzschwäche durch eine Druckerhöhung im Lungenkreislauf (Cor pulmonale) 

  • Durch den Sauerstoffmangel im Blut kann es zu einer vermehrten Bildung von roten Blutkörperchen und damit zu einer "Eindickung" des Blutes mit der Gefahr eines hohen Drucks im Lungenkreislauf kommen. 

  • Akute Verschlechterungen, z.B. bei Infekten können durch eine weitere Abnahme der Sauerstoffversorgung lebensbedrohlich sein. 

  • In späten Stadien kann eventuell eine langfristige Sauerstoffgabe und Atemunterstützung nötig sein

 

  Wie wird eine COPD behandelt?

Ziel ist es, das Fortschreiten der Erkrankung zu mindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Obwohl die Verengung der Bronchien nur zu einem Teil auf "Krämpfe" der Muskulatur zurückzuführen und zu einem großen Teil durch dauerhafte Veränderungen der Bronchienwände verursacht ist, bringt die Behandlung mit bronchienerweiternden Medikamenten gute Erfolge.

Bei der Behandlung kommen bronchienerweiternde und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz. 

  • Anticholinergika sind das Mittel der ersten Wahl, sie sind bronchienerweiternd und wirken stärker und länger als kurzwirksame Beta 2-Agonisten. Sie werden als Dosieraerosole verwendet .

  • Beta 2-Agonisten wirken ebenfalls bronchienerweiternd, die Wirkung setzt schneller ein als bei den Anticholinergika. Sie werden daher Patienten verschrieben, die anfallsartige Beschwerden haben. Sie können entweder als Spray zur Inhalation (Dosieraerosol) 4 -6 mal täglich oder 1-2 mal täglich als langwirksame Dosieraerosole oder auch in Tablettenform eingenommen werden. Wegen geringerer Nebenwirkungen sollen Dosieraerosole bevorzugt werden.

  • Danben besteht die Möglichkeit Kombinationspräparate von Anticholinergika und kurzwirksamen Beta 2-Mimetika zu verwenden. Die optimale Einstellung erfolgt am Besten nach vorheriger Austestung der individuellen Wirksamkeit. Ist die Behandlung mit diesen beiden Medikamenten allein oder in Kombination nicht ausreichend können

  • Theophyllin-Präperate zur Anwendung kommen. Neben der Bronchienerweiterung sollen sie unter anderem eine Steigerung des Atemantriebs und eine Verbesserung der Herzfunktion bewirken. Diese Effekte konnten für COPD- Patienten in Studien jedoch nicht belegt werden. Von den Patienten wird aber häufig eine subjektive Besserung beschrieben. Bei ungenügender Besserung werden zusätzlich

  • Cortisonpräparate (entzündungshemmend) als Tabletten eingesetzt. Diese sollen nur über einen begrenzten Zeitraum verordnet werden, in manchen Fällen kann die Dauerbehandlung mit einem Cortison- Dosieraerosol fortgesetzt werden.

Ergänzend können

  • Schleimlösende Medikamente eingesetzt werden

  • Bei bakteriellen Infektionen ist die Behandlung mit Antibiotika notwendig.

  • Bei akuter Verschlechterung und in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung mit erniedrigten Sauerstoffwerten im Blut, ist häufig die Gabe von Sauerstoff notwendig.

Die pulmonale Rehabilitation, die ambulant und stationär durchgeführt werden kann, soll mit Ausdauertraining, Muskeltraining, Training der Atemmuskulatur, Physiotherapie (z.B. auswurffördernde Massagen), Ergotherapie, Patientenschulung, Ernährungsberatung und psychosozialer Betreuung zu einer Verbesserung der Lebensqualität und Leistungsfähigkeit führen, den Medikamentenverbrauch reduzieren und die Häufigkeit und Dauer der Krankenhausaufenthalte verringern.

 

  Prognose

Wenn die auslösenden Faktoren nicht beseitigt werden schreitet die Erkrankung kontinuierlich fort und führt zu einer zunehmenden Einschränkung der Leistungsfähigkeit, der Lebensqualität und einer verkürzten Lebenserwartung. Wenn man mit dem Rauchen aufhört bewirkt das zu jedem Zeitpunkt, dass die weitere Verschlechterung der Atemfunktion eingebremst wird und sich die Werte der Lungenfunktion an jene von Nichtrauchern angleichen.

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