Nichtinvasive Beatmung
eine Überbrückungshilfe in der Wartezei vor der Lungentransplantation von Dr.O.Schmalz, Priv.-Doz.Dr.med. Kurt Rasche, Dr.med. Maritta Orth, Dr.med. H.-W. Duchna, Prof.Dr.. Gerhard Schulze-Werninghaus. Bochum Bergmannsheil
In der Veröffentlichung über eine Studie der Universitätsklinik Bergmannsheil in Bochum mit dem Titel ,,Krankheit durch Schlaf?" hieß es u.a. ,,... mit der Verringerung der Atemzüge während des Schlafs gelangt weniger Sauerstoff in den Körper - das bedeutet eine zusätzliche Belastungfür Herz, Kreislaufund Lunge. Während der geringe Sauerstoffgehalt im Blut Gesunden nicht schadet, kann er bei Herz- und Lungenkranken zum Tod führen. Am Tag atmen chronisch Lungen-kranke und Asthmatiker bewußt häufiger, um das bestehende Sauerstoffdefizit auszugleichen. In der Nacht aber setzt die bewußte Steuerung durch das Großhirn aus, seine Arbeit übernimmt der Hirnstamm. Damit fällt der Antrieb zum zusätzlichen Atmen fort, und es kommt zu kritischen Sauerstoff Gehalten im Blut." Extreme Kopfschmerzen und ein Gefühl des körperlichen Zerschlagen-seins können Symptome sein, die Sie vielleicht kennen, die Sie aber u. U bisher nicht zu erklären wußten. Der folgende Beitrag des Teams der Studie der Universitätsklinik Bergmannsheil will Ihnen die Möglichkeiten für diese Fälle zeigen.
Die Lungentransplantation hat sich in den vergangenen Jahren als eine therapeutische Alternative für Patienten mit Lungenversagen entwickelt. Bei der begrenzten Verfügbarkeit von Spenderorganen kann derzeit allerdings nicht jedem Patienten rechtzeitig ein Spenderorgan zur Verfügung gestellt werden. Bei einer nicht unerheblichen Zahl der Patienten verschlechtert sich die Erkrankung in der Wartezeit auf die Operation soweit, daß die Indikation zur Beatmung diskutiert werden muß. Die Beatmung über Tubus mit Lufiröhrenschnitt (invasive Beatmung) kann in dieser Situation zwar Abhilfe schaffen, doch hat sich gezeigt, daß diese Form der Beatmung bis zur Lungentransplantation zu schweren Komplikationen z.B. Lungenentzündung mit Blutvergiftung (Sep sis) fübren kann. Invasiv beatmete Patienten werden daher nur selten transplantiert. Als Zwischenlösung zur Überbrückung wird die nichtinvasive Selbstbeatmung mittels Nasenmaske eingesetzt.
Die intermittierende Selbstbeatmung ist eine vorübergehende oder dauerhafte Anwendung von mechanischen Atemhilfen. Als mechanische Atemhilfen bei Lungenversagen wird meist ein Überdruckbeatmungsgerät (IPPV) eingesetzt. Die Beatmung erfolgt nicht invasiv (mit Hilfe von Masken) über Nase bzw. Nase und Mund (s. Abb.l). Selten ist eine Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) notwendig (invasive Beatmung). Weiterhin gibt es Unterdruck-beatmungsgeräte. Diese vom klassischen Tankrespirator (,,Eiserne Lunge") abgewandelten Geräte erleichtern die Atemarbeit über einen am Thorax ausgeübten intermittierenden (zwischenzeitlichen/mit Unterbrechungen) Unterdruck (s. Abb 2). Ziel ist es, die Lebensqualität des Patienten in der Wartezeit zu verbessern. Die Symptome und Folgen der Atemschwäche in der ventilatonscheu Insuffizienz (Atmungsschwäche) sollen vermindert werden, damit der Kranklieitsprozess stabilisiert wird (s. Tabelle 1).
Eine intermittierende Selbstbeatmung wird aufgrund der subjektiven Symptomatik, objektiver medizinischer Meßwerte und des Patientenwillens nach ausführlicher Aufklärung über die Konsequenzen der Beatmung durchgeführt. Nach dieser ausführlichen Aufklärung wird bei dem Patienten die Beatmung meistens stationär eingeleitet und nächtlich zuhause fortgeführt. Exemplarisch sei hier der Fall eines 51-jährigen Patienten aus unserer Klinik geschildert. Bei diesem Patienten wurde im Alter von 36 Jahren die Diagnose eines Lungenemphysems gestellt.
Symptome der Atemschwäche Zentrales Nervensystem
- Ein- und Durchschlafstörungen
- Kopfschmerzen
- Tagesmüdigkeit
- Konzentrationsstönungen
- Schwindel
Pulmonal
- Tachy
- und Dyspnoe (beschleunigte u. erschwerte Atmung)
- Persistierende (fortbestehende) Infekte
- Atelektasen (Verklebung der Lunge
Kardiovaskulär (Herz-Kreislauf)
- Tachykardie (Rerzrasen)
- pulmonale Itypertonie (Lungenhochdruck)
- Reehtsherzinsuffizienz (Rechtsherzschwäche)
- Rhythmusstörungen
Sonstiges
- Nervosität
- Tremor (Zittern)
- Kopfschmerzen
- Depression
- Angstzustände
- Zyanose (Blaufärbung der Haut)
Nach einmaliger Beatmungspflieht wurde der Patient in den folgenden 13 Jahren nur medikamentös behandelt. Im Rahmen einer erneuten Verschlimmerung der Grundkrankheit kam es bei dem Patienten zu einer bedeutenden Verschlechterung der Ausgangssituation. Die achtmonatige Wartezeit bis zur linksseitigen Lungentransplantation konnte bei dem Patienten mit einer intermittierenden Beatmung und der zusätzlichen Gabe von einem Liter Sauerstoffimin. erfolgreich überbrückt werden.
Die Lungentransplantation hat ihren festen Platz in der Behandlung bestimmter Lungenerkrankungen. Eine Indikation besteht dann, wenn die konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind und die Lebenserwartung ohne Transplantation kürzer als 12 bis 18 Monate ist. Ziel der Lungentransplantation ist es, sowohl eine Lebensverlängerung als auch eine Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen.
Kontakt:
OA Priv.-Doz. Dr. med. Kurt Rasche
Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannsheil
Universitätsklinik Abteilung für Pneumologie, Allergologie und Schlafmedizin
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.(0234)302-6444